Salon: Podiumsdiskussion zur unversöhnlichen Intervention gegen den deutschen Mob

Salon: Podiumsdiskussion zur unversöhnlichen Intervention gegen den deutschen Mob

11.04.2018 – 19 Uhr // Rote Flora Ex-Vokü

Irgendwo in Deutschland – Podiumsdiskussion zur unversöhnlichen Intervention gegen den deutschen Mob. Mit Vertreter*innen der Gruppen >deutschland demobilisieren< (Berlin), >Rassismus tötet!< (Leipzig) und >souslaplage/antigravitationistische linke< (Hamburg).

In den letzten Jahren hat sich die politische Situation in Deutschland auf unterschiedlichen Ebenen massiv zum schlechteren verändert. Vieles, was vor wenigen Jahren noch dystopische Befürchtungen waren, ist mittlerweile Normalität geworden. Der Zusammenschluss zwischen konservativer Mitte und organisierten Neonazis hat sich neu formiert und ist erfolgreich geworden. Völkische, antisemitische und rassistische Positionen haben sich normalisiert. Die AFD ist stärkste Oppositionspartei im Bundestag. In der Medienlandschaft von Talkshows bis zur Leipziger Buchmesse sind Nazis präsent. Die Asylgesetzgebung wurde in kürzester Zeit mehrfach verschärft, ein Kurs der von Heimat-Horst weitergeführt werden soll, während die alltägliche rassistische und antisemitische Gewalt sich im Schutze der reaktionären Gesamtstimmung kontinuierlich über wenige Jahre vervielfacht hat: In Cottbus sammelt sich der Mob für die Zukunft der Heimat regelmäßig auf den Straßen, in Wurzen kam es Anfang des Jahres zu einem weiteren Höhepunkt an rassistischen Gewalttaten, bundesweit stehen Drohungen und Brandanschläge auf Geflüchteten-Unterkünfte an der Tagesordnung.
Zeitgleich reagiert die Linke sehr unterschiedlich auf diese Entwicklung: Ein Teil der radikalen Linken sucht angesichts der rassistischen Übergriffe weiter das emanzipatorische Subjekt in der deutschen Bevölkerung. Unter dem Banner „XY ist bunt“ bilden sie den Schulterschluss mit bürgerlichen und zivilgesellschaftlichen Initiativen und betonen vor allem die Wichtigkeit einer Kooperation mit Akteur*innen vor Ort. Im Rahmen einer anderen Strategie hat sich vor zwei Jahren das bundesweite Bündnis „Irgendwo in Deutschland“ gegründet. Es will auf die Mobilmachung des rassistischen Mobs mit unversöhnlichen Interventionen reagieren. Das beruht auf der Einschätzung, dass die Übergänge zwischen Neonazis und gesellschaftlichem Rassismus bis ins linksbürgerliche Lager fließend sind. Statt möglichst großen bunten Demos Inhalte zu opfern, will es unversöhnlich bleiben. Das bedeutet: Den völkischen Rassismus in seiner historischen Entwicklung und seine aktuellen Ausprägungen ohne entschuldigende Erklärungsansätze anzuprangern, also den Finger immer wieder in die Wunde zu legen. Wichtige Kooperationspartner*innen vor Ort sind dabei vor allem die lokalen Antifa-Strukturen, nicht die Bevölkerung per se. Bei der Volksgemeinschaft ist nunmal nichts zu holen.
Die Form der unversöhnlichen Interventionen soll an diesem Abend diskutiert werden.
Nach einer Vorstellung und Einordnung der vergangenen Aktionen und Kampagnen des Bündnisses, geht es um die Frage was ‚Unversöhnlichkeit‘ eigentlich konkret bedeutet, warum unversöhnliche Interventionen angebracht und notwendig sind und was die Grenzen dieser Praxis sind. Gleichzeitig erfordern die regionalen Unterschiede zwischen Ost und West, sowie Stadt und Land, spezifische Umgangsweisen, die ebenfalls debattiert werden sollen.

Wir freuen uns auf eine gute Diskussion, euer zahlreiches Erscheinen und auf das eine oder andere Getränk mit Musik im Anschluss!